Wolle fördert die Feinmotorik in der Schule

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Wir beobachten in der Schule mit wachsender Sorge, dass viele Kinder mit unzureichend entwickelten feinmotorischen Fähigkeiten, die nicht ihrem Alter entsprechen, in die Schule kommen. Diese ist aber notwendig, um z. B. das Schreiben oder Zeichnen in der Schule sicher zu erlernen.

Was definiert den Begriff der Feinmotorik?
Feinmotorik bezeichnet die gezielte und koordinierte Bewegung, die vor allem in der Handgeschicklichkeit zum Ausdruck kommt, wobei auch all jene Koordinationsprozesse dazu gehören, die die Muskeln des Mundes, der Augen und des Gesichtes einbeziehen. Der Handgeschicklichkeit werden verschiedene Teilbereiche zugeordnet wie Hand- und Fingerkraft, Hand- und Fingergeschicklichkeit, visomotorische Koordination (Auge-Hand-Koordination), Zielgenauigkeit und exakte Einzelbewegungen eines Körperteiles.
Quelle: https://lexikon.stangl.eu/11046/feinmotorik/
Stangl, W. (2019). Stichwort: Feinmotorik. Online Lexikon für Psychologie und Pädagogik.

Was definiert den Begriff der Grafomotorik?
Unter Grafomotorik versteht man die Fähigkeit mit Händen und Fingern einen Stift, Pinsel und Ähnliches so zu führen, dass das gewünschte Ergebnis zu Papier gebracht wird. Also die Fähigkeit sich durch Zeichnen, Malen, Schreiben auszudrücken. Wichtig für die Grafomotorik ist eine gut entwickelte Feinmotorik der Hände und Finger.
Quelle: http://www.ergo-kahle.de/feinmotorik-und-grafomotorik/
Ergotherapie Logopädie Maren Kahle

Was also tun, wenn die Feinmotorik (Grafomotorik) nur unzureichend entwickelt ist und Kinder Mühe haben den Arbeitsschritten in der Schule zu folgen?
Eine Schule muss besonders im ersten und zweiten Schuljahr all die Techniken im Unterricht anbieten, die die Feinmotorik beanspruchen und diese nachhaltig trainieren. Heutzutage wissen wir, dass aus dem Bereich der Ergotherapie viele Freiarbeitsmaterialien in den Schulen angewendet werden können, die in keinem Regal der Erstklasszimmer fehlen sollten. So können durch gezielte Übungen, wie beispielsweise das Fädeln von Perlen, Auf- und Zuknöpfen von Textilien, Binden von Schleifen und Knoten und das Auf- und Zudrehen von Flaschendeckeln helfen, die Schwierigkeiten der Feinmotorik zu überwinden. Doch auch im Unterricht selbst ist es wichtig, dass neben der Buchstabenerarbeitung ausreichend Anlässe geschaffen werden, Techniken wie das Malen, Ausmalen, Reißen, Falten und Schneiden von Papier etc. zu üben.

Wolle fördert die Feinmotorik im Besonderen, aber warum?
Im Zuge des fächerübergreifenden Unterrichts haben wir gemeinsam mit Frau Haller ein Wollprojekt gestartet. Frau Haller, die als Münchner Landartkünstlerin über Bayern hinaus bekannt ist, realisierte bereits an unserer Schule die Erfolgsprojekte Lass 1000 Sonnenblumen blühen und Kinder entdecken die Mathematik in einem Kunstprojekt.

Dieses Mal ging es um die Thematik „Vom Schaf zum Wollpullover“. Glücklicherweise sah der Schulunterricht vor, den Buchstaben großes „W“ und kleines „w“ einzuführen, was wir mit dem Woll-Projekt über die taktile Sinneswahrnehmung forcierten und die Auseinandersetzung mit dem Buchstaben ermöglichte. Durch das Kennenlernen und Arbeiten mit der Rohwolle schulten wir die grafomotorischen Fähigkeiten gezielt, ohne dass es die Kinder bemerkten. Während sie sich zu Beginn wenig geduldig zeigten und „ich kann das nicht“ oder „das geht nicht“ äußerten, hat die fortwährende Beschäftigung mit Zupfen, Reißen, Drehen, Knoten und das Spannen der Wolle mit der Handspindel zu einer Ruhe und Konzentration geführt, die Schulkinder in einer Welt von passivem Konsum mit Bildschirmgeräten immer weniger kennen. Wie die nachfolgenden Bilder zeigen, haben wir einen ganzen Vormittag mit unseren Fingern gearbeitet, was sich unter anderem sehr positiv auf das Schriftbild der Kinder auswirkt.

Titelbild: Im Lizenzverbund der EDUNETZ.org
Fotos: Schlossschule Immendingen


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Julia Wollenhöfer

Schulleiterin & Rektorin der Schlossschule Immendingen
2003-2015: Grundschullehrerin
2015-2018: Didaktische Leiterin der Exzellenten Deutschen Auslandsschule Rio de Janeiro (Brasilien, Preisträgerin des Deutschen Schulpreises 2017)
2018-heute: Schulleiterin & Rektorin der Schlossschule Immendingen
Sprachen: Deutsch, Englisch, Portugiesisch, Französisch

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