Theater: Sie hat jetzt ein Schwein und ist nicht mehr allein

Sichtlich gespannt verfolgten die Kinder der Schlossschule die ersten beiden Aufführungen der Theater AG, „Die junge Frau und ihr Schwein“. Wenn auch vom Lampenfieber vor den Kulissen nichts zu sehen war, so befeuerte es in Wahrheit doch die meisten der jungen Schauspielerinnen und Schauspieler. Da geht die junge Frau also ihr Schweinchen kaufen und durch dessen störrisches Verhalten entwickelt sich eine rasante und lustige Geschichte.

Begann die Theater AG mit acht Teilnehmern, verdoppelte sie sich zum Schulhalbjahr auf stolze 17, was der Gruppe nochmals eine ganz neue Dynamik gab und die ersten acht Kinder sehr herausforderte. Dabei wurden bereits jetzt einige Talente entdeckt, die ganz ohne Scheu und mit viel Spaß ihre Rolle entwickelten.

Mit Spielfreude ging es an die kreative und durchaus eigenständige Umsetzung des lustigen englischen Märchens „Die junge Frau und ihr Schwein“ das neben diversen Tieren auch die Elemente als Handlungsträger hat. Der Originaltitel lautet „Die alte Frau und ihr Schwein“, doch das wäre mit der sehr selbstbewussten Eyituoyo in der Hauptrolle nicht drin gewesen, so wurde sie dem Alter der Kinder entsprechend zur „jungen Frau“. Diese Rolle füllte sie wie auch die weiteren Darsteller mit vielen eigenen Impulsen und Ideen. Dabei gab es überwiegend kein Auswendiglernen, die Betonung lag vielmehr auf dem freien Sprechen. Dies forderte und förderte die Kinder zusehends, gerade mit Blick auf den Migrationshintergrund von zwei Dritteln der Teilnehmer.

Die Kinder waren gefordert, in jedem Tier und den Elementen die darin schlummernden menschlichen Eigenschaften ins Leben zu rufen und auf die Bühne zu bringen. Mit viel Enthusiasmus wurden etwa Feuer und Wasser in ihrer Widersprüchlichkeit, mal zerstörerisch, mal lebensrettend, zum Ausdruck gebracht. Jede Rolle hatte die Chance, sich persönlich mit ihren Eigenschaften vorzustellen und dabei auch mit dem Publikum in Kontakt zu treten.

„Gerade durch die Notwendigkeit, beim Theaterspielen zusammenzuarbeiten, ist es so wertvoll“, weiß etwa der anerkannte Arzt, Psychologe und Gehirnforscher Manfred Spitzer, der darin im schulischen Alltag einen wertvollen Ausgleich zum einsamen Arbeiten sieht. Dieser Aspekt war auch eine Herausforderung, die die Kinder stets begleitete. Die einzelnen Rollen wurden zu einem Teil immer wieder gemeinsam erarbeitet und unterstützt. Auch bei den Kostümen und dem Kopfschmuck arbeitete die Gruppe zusammen. Sich nicht auslachen, trösten und unterstützen und mit Disziplin warten, bis man wieder an der Reihe ist, da kam so einiges zusammen.

Am Anfang war die Sprachhemmung groß. Es galt, ganze Sätze zu sprechen, laut und deutlich, zum Publikum gewandt, die richtigen Beugungen einzuüben und so weiter. Die Teilnehmer lernten dabei nicht nur die eigenen Texte, sondern das gesamte Stück. Auch die einzelnen Rollen wurden zu einem Teil immer wieder gemeinsam erarbeitet und unterstützt. Abgerundet wurde das Stück mit einem eigenen kleinen Lied und dem einen oder anderen Zitat aus einem weiteren Märchen.


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Lioba Elsäßer

Grundschullehrerin der Schlossschule Immendingen
1982-heute: Grund- und Hauptschullehrerin
Themenschwerpunkte: Literatur, Lesungen, Theater und Bildende Kunst

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