Schulgarten

Schulgarten

Die Bedeutung des Schulgartens - Warum ist er wichtig?

Ein Schulgarten ist ein wertvoller und wichtiger Lernort der Schule. Er ist „Naturoase“, die zum einen den Rückzugsort für die Kinder und zum anderen den Erlebnis- und Lernort darstellt, um natürliche Abläufe und ökologische Zusammenhänge zu verstehen.

In einem Schulgarten kann Natur mit allen Sinnen erfahren werden: Der Duft von Salbei, der Geschmack von Erdbeeren, das Gesumme der Hummeln, die unterschiedlichen Farben der blühenden Bohnen, der Geruch von frisch geschnittenem Gras. Ein Schulgarten ist ein Lern- und Erlebnisraum, der auffordert, auf Entdeckungsreise zu gehen. Er lädt ein zum Staunen, Forschen, Beobachten, Genießen, Spielen, Arbeiten und Gestalten. Die Arbeit im Schulgarten ermöglicht ganzheitliches Lernen mit „Kopf, Herz und Hand“ und schafft einen wichtigen Ausgleich zum kognitiven Lernen.

„Die Schülerinnen und Schüler setzen sich, ausgehend von eigenen Erfahrungen und auf der Grundlage für sie bedeutsamer Beispiele, mit sich und der Natur auseinander. Im Rahmen einer ganzheitlichen Gesundheitsbildung erlangen sie Kompetenzen, die auf die Stärkung ihrer Persönlichkeit gerichtet sind. Die unmittelbare Begegnung mit den Lebewesen in ihrer Umgebung und das Arbeiten im Jahreslauf begünstigen die Zuwendung der Schülerinnen und Schüler zur Natur. Dadurch erkennen sie, dass die Natur eine Vielzahl von Arten aufweist, die an die spezifischen Lebensbedingungen angepasst sind. Auf der Grundlage dieser Erkenntnisse können sie die Notwendigkeit eines verantwortlichen Umgangs mit sich und der Natur aufbauen und begründen.“  (Bildungsplan 2016, Sachunterricht: Natur und Leben)

Wir leben in einer Zeit, in der der Bezug zur Natur zunehmend verloren geht. Somit ist es wichtig, Kindern und Jugendlichen unsere natürlichen Lebensgrundlagen bewusst zu machen. Viele sind erstaunt, wenn sie einen Geruch oder Geschmack, den sie aus ihrem Alltag kennen, an einer Pflanze in unserem Kräuterbeet wiederfinden: Die Pfefferminze erinnert an Zahnpasta, der Salbei an Husten­bonbons, der Fenchel an Tee, der Basilikum an Pasta oder Pizza. Die eigene Herstellung von Dingen des täglichen Lebens wie Limonade mit frischer Zitronenmelisse, Marmeladen oder auch Duftsäckchen fördert ein ver­knüpfen­des Denken, indem der Bezug zur Natur hergestellt und bewusst gemacht wird.

In unserem Schulgarten können die Kinder Kreisläufe der Natur hautnah erleben: Sie pflanzen Bohnen, beobachten deren Wachstum, sehen sie blühen und erkennen, dass aus jeder Blüte eine Frucht entsteht, die heranreift, damit sie später geerntet werden kann. Das Säen von Sonnnenblumenkernen gibt die Möglichkeiten zu entdecken, wie aus Keimlingen Pflanzen entstehen, die wiederum wachsen, blühen, welken und erneut Sonnenblumenkerne spenden, die zum einen als Futterquelle für Vögel dienen als auch zum Wiedereinsäen im neuen Gartenjahr genutzt werden können. So be­greifen sie durch eigenes Handeln und Erleben wichtige Zusammenhänge und werden wieder einbezogen in ökologische Kreisläufe.

Unser Schulgarten bietet jedoch auch Lebensraum für Tiere. Unser Insektenhotel, das wir mit einem ersten und einem zweiten Schuljahr gebaut haben, bietet Insekten Schutz und Rückzugsmöglichkeiten. Unsere Auswahl der Blumen ist so getroffen, dass sie nicht nur schön aussehen, sondern auch Insekten ausreichend Nahrung bieten.

Unser Schulgarten bietet jedoch weit mehr. Vor allem das Soziale Lernen steht hier im Vordergrund. Aufgaben müssen verteilt, Handgriffe alleine aber auch mit Partner erledigt werden. So muss der eine den Himbeertrieb halten, während der andere ihn mit einem Band am Draht fixiert, damit er weiter in die Höhe wachsen kann. Die Kinder entwickeln Verantwortungsbewusstsein, in dem sie die Pflanzen pflegen und gießen müssen, auch wenn es so heiß ist, dass man es selbst kaum in der Sonne aushält. Sie üben Geduld und Ausdauer, in dem sie den Wachstumsprozess begleiten und verstehen lernen, dass die Erdbeeren erst heranreifen müssen, bevor man sie ernten und essen kann. Frustrationstolleranz wird automatisch geschult, weil es durchaus sein kann, dass die Triebe den Schnecken zum Opfer fallen bzw. die Saat nicht so austreibt, wie es eigentlich geplant war.

Das Arbeiten in einem Schulgarten ist weitgehend frei von Konkurrenz und Vergleich untereinander. Jedes Kind darf sich einbringen und so manches beweist Geschick und einen „grünen Daumen“, das bei kognitiven Aufgaben nicht unbedingt zu den Stärksten gehört. Das stärkt das Selbstbewusstsein.

Die Freude über die Ernte und das gemeinsame Zubereiten und Essen fördern außerdem das Gemeinschaftsgefühl in der jeweiligen Lerngruppe.

Der Schulgarten ist ein zusätzliches grünes Klassenzimmer einer Schule, weil er die Möglichkeit bietet, bestimmte Themen des Sachunterrichts handlungsorientiert umzusetzen. Er bietet Raum für interessierte Kinder, die sich in der Schulgarten-AG engagieren und gemeinsam arbeiten wollen. Ein Schulgarten kann aber auch ein Ort der Entspannung sein, wenn man sich in der Mittagspause oder in der Lese-AG mit einem guten Buch in die Natur zurückziehen möchte.


Lesen Sie dazu auch unseren aktuellen Beitrag „Ein Schulgarten in 80 Bildern